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Aktuelles
Pressemitteilung Nr. 206
München, 16.07.2026

FÜRACKER UND SCHÖFFEL: INSGESAMT ZWÖLF HEIMATPROJEKTE ERHALTEN FÖRDERUNG „HEIMAT.ENGAGIERT“
Pilotförderprogramm des Heimatministeriums in Kooperation mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e. V. // Würdigung von Pflege und Vermittlung von Heimatgeschichte und Kulturformen

„Traditionen, Bräuche und Heimatgeschichte haben viele Facetten. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie vermitteln das Gefühl von Heimat, Vertrautheit und Geborgenheit. Ganz besonders zeigen das auch die vielen engagierten Menschen, die sich die Heimatpflege zur Aufgabe gemacht haben. Dabei entstehen verschiedenste Initiativen und Projekte, die unsere Heimatgeschichte bewahren, dokumentieren und veranschaulichen. Mit unserem Pilotförderprogramm wollen wir besonders kleinere Projekte der Heimatpflege vor Ort unkompliziert fördern“, betont Finanz- und Heimatminister Albert Füracker anlässlich der Übergabe von Förderbescheiden aus dem Pilotförderprogramm „Heimat.Engagiert“ am Donnerstag (16.7.) in München.

„Im Rahmen der fünften Förderrunde unterstützen wir insgesamt zwölf beeindruckende Heimatprojekte aus ganz Bayern. Die Initiativen zeigen die Vielfalt der Heimatpflege in einer spannenden Themenpalette: von moderner und dokumentarischer Aufarbeitung der Heimatgeschichte bis hin zu Theater- und Filmprojekten, Veranstaltungen und Ausstellungen. Jede Initiative trägt dazu bei, unsere Heimat zu stärken und zeigt Bürgernähe, Kreativität und Leidenschaft. Mein Dank gilt allen engagierten Menschen hinter den Projekten: Ihr Engagement ist nicht selbstverständlich und verdient besondere Wertschätzung. Dieser Einsatz prägt unsere Heimat und macht sie zukunftsfähig!“, stellte Finanz- und Heimatstaatssekretär Martin Schöffel bei der Übergabe der Bescheide fest.


„Mit diesem Förderprogramm hat das Heimatministerium eine Lücke gefüllt. Zahlreiche Gruppen und Vereine sind in der Vergangenheit immer wieder an uns herangetreten und haben uns nach solchen Förderungen gefragt. Jetzt kann Ihnen geholfen werden – und das auf eine äußerst unkomplizierte Weise. Für viele Projekte sind genau diese Beträge entscheidend, damit sie verwirklicht werden können. Diese Unterstützung motiviert Ehrenamtliche in der Kultur- und Heimatpflege in einem Maße, das sich kaum ermessen lässt“, sagt Dr. Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege e. V.

Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat hat in Kooperation mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e. V. im Dezember 2023 das Förderprogramm „Heimat.Engagiert“ ins Leben gerufen. Zunächst als Pilotprogramm ausgelegt, werden jährlich bis zu 40 Vorhaben, die der Pflege und Vermittlung von Heimat- und Brauchpflege dienen, mit einer Festbetragsförderung von 2.000 Euro unterstützt.

Folgende Projektträgerinnen und Projektträger haben im Rahmen der aktuellen Förderrunde einen Förderbescheid erhalten:

Historischer Verein für die Stadt und den Landkreis Fürstenfeldbruck e. V., Projekt: Sonderausstellung des HVF: "Archäologie entdecken - 25 Objekte, 5 Perspektiven" (Olching, Oberbayern)
Anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums hat der Verein eine Sonderausstellung konzipiert. In dem sehr durchdachten Ausstellungskonzept „Archäologie entdecken – 25 Objekte, 5 Perspektiven“ wird Archäologie mit bürgerschaftlichem Engagement kombiniert. Im Fokus steht die ehrenamtliche Archäologie – von Feldarbeit, über Dokumentation bis Vermittlung. Sie wird an 25 Objekten, die regionale Geschichte in sich tragen und erzählen, anschaulich dargestellt. Die Ausstellung verbindet wissenschaftlichen Anspruch, bürgerschaftliches Engagement und Heimatgeschichte in vorbildlicher Weise.

Florian Schmitt, Projekt: Heimat-Kurzfilm "Flüstern im Nebel" (Wasserburg a.Inn, Oberbayern)
In seinem Projekt arbeitet Florian Schmitt Heimatgeschichte filmisch auf. Der Heimat-Kurzfilm „Flüstern im Nebel“ im lokalen Dialekt ist eine kreative Verbindung regionaler Geschichte und Familienerinnerung mit filmischer Erzählung. Die Familiengeschichte einer jungen Frau führt durch das historische Wasserburg a.Inn mit all seinen ortsbildprägenden Gebäuden. Der Film vermittelt Heimatgeschichte zeitgemäß und niederschwellig und trägt dazu bei, regionale Kultur sichtbar zu machen und zu bewahren. Dieses innovative und anerkennenswerte Heimatfilmprojekt hat Potenzial für überregionale Ausstrahlung.

Arbeitsgruppe Kultur und Ortsgeschichte, Projekt: Erinnerungsausstellung Heinrich Porzellanmanufaktur – Kunstabteilung (Übersee, Oberbayern)
Porzellanmanufakturen sind typischerweise in Nordbayern zu finden, Porzellankunstmalerinnen und Porzellankunstmaler waren jedoch auch in Südbayern ansässig. Die Porzellanmanufaktur Heinrich aus Selb hatte von 1947 bis 1972 eine eigene Kunstabteilung in Übersee, dort erfolgte die Ausbildung und Beschäftigung von Porzellankunstmalern. Daraus ist sogar der „Heinrichswinkel“ als eigener Ortsteil entstanden. Das Projekt der Arbeitsgruppe widmet sich in einer Ausstellung dem Leben und Wirken dieser Berufsgruppe und deren erfolgreiche Integration in die örtliche Gemeinschaft Übersees. Viele Leihgaben aus der Bevölkerung schaffen einen lebendigen Zugang zu dieser interessanten Ortsgeschichte. Die Ausstellung zeigt die besondere Kultur-, Sozial- und Ortsgeschichte auf anschauliche Weise.

Trachtenverein „D’Innviertler“ Rosenheim e. V., Projekt: Tag des Brauchtums (Stephanskirchen, Oberbayern)
Der „Tag des Brauchtums“ in Rosenheim war zunächst eine kreative Antwort auf die Coronapandemie durch Auftrittsmöglichkeiten örtlicher Heimat- und Trachtenvereine im Freien. Im Jahr 2026 wurde das Projekt neu ausgerichtet. Es finden weiterhin Auftritte und ergänzend die Präsentation örtlicher Vereine an Informations- und Mitmachständen statt. Zudem soll der „Tag des Brauchtums“ auch einen interkulturellen Schwerpunkt erhalten, dieses Jahr durch die Beteiligung eines kongolesischen Vereins. Daneben finden gezielte Aktionen für Jugendliche statt. Die Veranstaltung macht die vielfältige, ehrenamtliche Arbeit der Heimat- und Brauchtumsvereine erlebbar und ist selbst von hohem ehrenamtlichem Engagement getragen. Der „Tag des Brauchtums“ verbindet Tradition mit Offenheit und leistet einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Leben in Rosenheim.

Bürgerbruderschaft Vilshofen e. V., Projekt: Gestaltung eines Vilshofener Jahrbuches (Sonderband) zur Geschichte der Bürgerbruderschaft Vilshofen (Vilshofen a.d.Donau, Niederbayern)
Die Sebastianiprozession wird im Jahr 2027 seit 400 Jahren (Pestzeit) rund um den Sebastianitag (20. Januar) in Vilshofen von der Bürgerbruderschaft begangen. Zum Jubiläum hat der Verein einen Sonderband des Vilshofener Jahrbuches zur Geschichte dieser Tradition gestaltet. Dieser Sonderband hat eine hohe historische und kulturwissenschaftliche Bedeutung, da nur wenige vergleichbare Publikationen zu Volksfrömmigkeit und Bruderschaftwesen bekannt sind. Die Basis bilden umfassende, ehrenamtliche Recherchen von engagierten Vereinsmitgliedern und des Kreisheimatpflegers Rudolf Drasch. Die Bürgerbruderschaft Vilshofen setzt ein eindrucksvolles Zeichen für verantwortungsvollen Umgang mit Geschichte, Tradition und kulturellem Erbe.

Verein Rotes Schulhaus e. V., Projekt: Mühlhiasl - Mythos, Mensch, Waldprophet (Rinchnach, Niederbayern, bei Bescheidübergabe nicht anwesend)
Der Mühlhiasl ist ein angeblicher Weissager und Prophet aus dem Bayerischen Wald. Die Figur ist tief in der Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes verankert und prägt bis heute Erzähltraditionen. Heimatpflegerisch ist er eine durchaus kritische Figur, die durch seine tiefe Verwurzelung in der Bevölkerung definitiv Relevanz hat. Die Ausstellung „Mühlhiasl – Mythos, Mensch, Waldprophet“ des Vereins Rotes Schulhaus setzt sich mit all diesen Aspekten rund um die Person des Mühlhiasl differenziert auseinander. Die Ausstellung zeigt historische Hintergründe in innovativer, moderner Präsentation (z. B. mit Soundeffekten oder in künstlerischer Aufarbeitung) und erschafft so eine lebendige, differenzierte Vermittlung eines Mythos, der die Bevölkerung bis heute fasziniert.

AK Historisches Handwerk Tirschenreuth e. V., Projekt: Traditionelle Fassherstellung - anschaulich und spannend erklärt (Tirschenreuth, Oberpfalz)
Der Arbeitskreis (AK) leistet bereits vorbildliche Vermittlungsarbeit zur auch als immaterielles Kulturerbe eingetragenen Fassbinderei. Verschiedene Workshops, Mitmachangebote und eine informative Website zeigen das hohe Engagement für die Vermittlung und Bewahrung dieser Tradition. Mit dem neuen Projekt will der Verein die Fassbinderei als historische Handwerkskunst insbesondere für Kinder und Jugendliche noch besser und verständlicher vermitteln. Unter dem Motto „Traditionelle Fassherstellung – anschaulich und spannend erklärt“ werden Videos erstellt, die die einzelnen Arbeitsschritte der Fassherstellung anschaulich vermitteln. Neben der Wissensvermittlung wird damit das Kulturerbe gleichzeitig dokumentiert und bewahrt. So verbindet das Projekt die Vermittlung von Wissen mit praktischer Kulturarbeit und Nachwuchsgewinnung auf nachahmenswerte Weise.

Heimatverein Betzenstein (Karl Heinz Fietta), Projekt: Szenische Darstellung bedeutender historischer Ereignisse der Geschichte Betzensteins (Betzenstein, Oberfranken)
Das Projekt „Szenische Darstellung bedeutender historischer Ereignisse der Geschichte Betzensteins vor 500 Jahren“ kombiniert in digitaler und analoger Präsentation bedeutende Ereignisse der Heimatgeschichte speziell auch für Schulklassen. Durch eine hybride Präsentation (Vortrag/ Führung + Multimedia/ Video) will der Verein neue Wege gehen, um Interesse an Heimatgeschichte zu wecken. Die Ehrenamtlichen werden in der Erstellung der digitalen Formen geschult und erstellen diese. Die herausragenden Geschichtskenntnisse der Ehrenamtlichen im Verein werden so in moderner, digitaler Präsentation weitergetragen. Das beweist nicht nur hohes ehrenamtliches Engagement, sondern auch Sinn für Weiterentwicklung und zeitgerechte Präsentation von Heimatgeschichte.

Christine Meier, Hallstadt Lkr. Bamberg, Projekt: AN-(euch)-DENKEN (Hallstadt, Oberfranken)
Das Projekt „AN-(euch)-DENKEN“ reflektiert bayerische Wirtshauskultur am eigenen (ehemaligen) Gasthaus „Zum Bären“ in Hallstadt. Das denkmalgeschützte Haus von 1654, das seit 1808 bis vor zwei Jahren eine Gaststätte war, ist dafür die Kulisse. Mit vorhandener historischer Ausstattung, altem Foto- und Filmmaterial und sozialen Medien wird das dortige Wirtshausleben im Rahmen einer Ausstellung nochmals zum Leben erweckt. Auch wenn das Wirtshaus selbst geschlossen ist, kann so die Geschichte und Atmosphäre nochmals erlebt werden. Der persönliche Bezug und das Anliegen der Antragstellerin sind im Projekt spürbar. Diese engagierte und besondere Vermittlung von örtlicher Wirthauskultur verdient Anerkennung.

100 Jahre Segelflug am Hesselberg, Projekt: 100 Jahre Segelflug am Hesselberg, Segelflugschule Hesselberg, Bayerische Wasserkuppe (Ausstellung), (Dinkelsbühl, Mittelfranken)
Der Hesselberg hatte einst herausragende Bedeutung im Segelflug für Vereine aus ganz Bayern (u.a. Schulung, Prüfungen, Wettbewerbe). Während der NS-Zeit erfolgte dort nur noch die segelfliegerische Grundausbildung, nach 1945 gar kein Segelflug mehr. Die Ausstellung „100 Jahre Segelflug am Hesselberg“ widmet sich diesem geschichtsträchtigen Ort. Sie wurde als Ergebnis einer sorgfältigen historischen Recherche anhand von Tagebüchern, Erinnerungsberichten, Archivmaterialien, privaten Nachlässen, historischen Flugzeugmodellen und Fotos erstellt. Das hohe Engagement und die persönliche Begeisterung sind auch hier spürbar. Das Projekt bewahrt die Zeugnisse eines bedeutenden, heute oft unbekannten Teils der Kultur- und Heimatgeschichte Mittelfrankens.

Theaterverein Greußenheim, Projekt: Kaiser Karl kehrt zurück: Das Erbe von Gruzen (Greußenheim, Unterfranken)
Der Theaterverein führt das historische Freilichtdramas „Kaiser Karl kehrt zurück: Das Erbe von Gruzen“ zum ersten Mal auf und greift darin eine lokal tief verwurzelte Legende auf: Kaiser Karl soll im Jahr 803 n.Chr. Gericht auf Greußenheimer Gemarkung gehalten haben. Das Stück spielt im Jahr 809 n.Chr. und erzählt die Geschichte um das Dorf Gruzen (Greußenheim) nach diesem Gericht mit mundartlichen Elementen weiter. Das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder und Helfer des Theatervereins ist in jedem Schritt vom Skript (die Autorin ist Gründungsmitglied des Vereins) über Aufführung und Kostüme bis hin zum Bühnenbau der Freilichtbühne bemerkenswert und besonders hervorzuheben. Das Theaterspiel fördert den Zusammenhalt im Dorf, bringt Menschen unterschiedlicher Generationen zusammen und vermittelt Ortgeschichte.

Geschichtskreis Klingenberg, Klingenberg a.Main, Lkr. Miltenberg, Projekt: Bildarchiv Klingenberg (Klingenberg a.Main, Unterfranken, bei Bescheidübergabe nicht anwesend)
Das Bildarchiv Klingenberg will ein „digitales Gedächtnis“ der Stadt Klingenberg erstellen. Die Historie der Stadt soll langfristig bewahrt und der Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Bereits jetzt ist ein Bildarchiv vorhanden. Durch das geförderte Projekt können Filme, Dias und Audiodokumente ergänzt werden. Diese müssen professionell aufbereitet und eingebunden werden. Der Geschichtskreis übernimmt in ehrenamtlicher Arbeit die Beschreibung der bewegten und akustischen Dokumente im digitalen Archiv. Das Archiv ist eine zukunftsgerichtete, anschauliche und niederschwellige Weiterentwicklung der klassischen Ortschronik, da die digitale Version jederzeit ergänzt und weiterentwickelt werden kann. Ohne die umfangreiche ehrenamtliche Arbeit des Geschichtskreises wäre die Sammlung, Identifizierung und Beschreibung des historischen Materials nicht möglich.

Hinweis für die Redaktionen:
Bilder der Veranstaltung stehen im Laufe des Nachmittags unter https://www.stmfh.bayern.de/aktuelles/pressegalerie/ zum Download bereit.

Weiterführende Links:


Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, Postfach 22 15 55, 80505 München
Pressesprecher: Dennis Drescher
Telefon: 089 2306-2460
E-Mail: presse@stmfh.bayern.de
Internet: www.stmfh.bayern.de