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Bayerisches Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes

Agnes Bernauer Festspiele Straubing

Der Agnes-Bernauer-Festspielverein in Straubing führt im Innenhof des herzoglichen Schlosses im vierjährigen Turnus ein Freilichttheater auf, das seit 1935 in verschiedenen Tableaus die in den lebensgeschichtlichen Details legendäre, 1435 in Straubing hingerichtete Baderstochter Agnes Bernauer darstellt. Bei der von rund 200 Laiendarstellern aus Stadt und Umland getragenen Inszenierung, die eine wiederholte Neubearbeitung erfahren hat, wird insbesondere bei der Ausstattung auf historische Detailtreue wert gelegt und trägt so zur Identifikation mit der Stadt- und bayerischen Landesgeschichte bei.

Augsburger Friedensfest

Das Augsburger Friedensfest entstand im Jahre 1650 anlässlich der Wiedererlangung der freien protestantischen Religionsausübung nach dem Dreißigjährigen Krieg. Seit dem 20. Jahrhundert stellt das mittlerweile ganz bewusst überkonfessionell und interreligiös ausgerichtete Fest mit gegenwärtig über 60 Veranstaltungen die wechselseitige Achtung des Anderen und die Friedenssicherung in den Mittelpunkt. Als Deutschlands einziger städtischer gesetzlicher Feiertag (8. August) ist das Augsburger Friedensfest das zentrale gesellschaftliche Festereignis.

Bayerische Brautradition nach dem Reinheitsgebot

Das Brauwesen hat im Freistaat Bayern eine besonders lange Tradition. Dem 1516 in Ingolstadt erlassenen Reinheitsgebot mit der strikten Beschränkung auf die vier natürlichen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe ist es zu verdanken, dass sich in Bayern eine einzigartige als „Braukunst“ bezeichnete handwerkliche Tradition entwickelt hat.

Traditionelle Dörrobstherstellung und Baumfelderwirtschaft im Steigerwald

Das traditionelle Dörren von Obst erfolgt im Steigerwald mittels holzbefeuerter Öfen auf sogenannten Därren. Verbunden ist diese seit vielen Generationen überlieferte handwerkliche Technik mit der Baumfelderwirtschaft, bei der auch die Flächen unter den Obstbäumen (Birne, Apfel, Zwetsche, Kirsche) landwirtschaftlich genutzt werden. Die seit Generationen bestehende Herstellung von Dörrobst und Baumfelderwirtschaft verbindet ein Wissen im Umgang mit der Natur mit tradierten Fähigkeiten der Lebensmittelkonservierung.

Drechslerhandwerk

Die Handwerkstradition des Drechselns ist eine sehr alte Form der mechanischen Bearbeitung von Werkstoffen. Heute wird das Handwerk neben meist kleinen Betrieben, die sich auf Einzelstücke oder Kunsthandwerk spezialisiert haben, als Hobby oder künstlerisch motiviert betrieben. Mit der Berufsschule in Bad Kissingen (einer von zwei verbliebenen in ganz Deutschland) und der Stadt Fürth als Sitz des Drechslerfachverbandes ist Bayern ein wichtiges Zentrum im Hinblick auf die Weitervermittlung der handwerklich-tradierten Fähigkeiten und Techniken.

Eichensaat und Eichenwirtschaft im Spessart

Das vermehrte Auftreten von Eichenbeständen im Spessart ist die Folge einer langfristigen forstwirtschaftlichen Praxis seit dem 18. Jahrhundert, in die auch die regionale Bevölkerung eingebunden ist. In den „Mastjahren“ werden Eicheln gesammelt und ausgesät, wobei Landwirte und die sog. „Kulturfrauen“ für die Vorbereitungen und die Pflege eine tragende Rolle spielen. Die sich aus der generationsübergreifenden forstwirtschaftlichen Praxis der Eichensaat ergebende besondere Kulturlandschaft ist für die Bevölkerung identitätsstiftend und trägt zur Biodiversität bei.

Englmarisuchen

Der seit 1850 als religiöses Schauspiel belegte Brauch des Englmarisuchens findet alljährlich am Pfingstmontag in Sankt Englmar statt. Dabei ziehen Darsteller in historisierenden Kostümen mit einem von Ochsen gezogenen Wagen zum Kapellenberg, wo nach der Überlieferung der selige Engelmar († um 1100) gelebt haben soll, ermordet und aufgefunden worden ist. Um das Schauspiel herum haben sich weitere Pfingstbräuche und profane Aktivitäten zu einem für den Ort zentralen Festtermin gruppiert.

Feldgeschworenenwesen in Bayern

Das Amt der Feldgeschworenen ist seit dem späten Mittelalter belegt (in Fürth werden sie beispielsweise 1426 erstmals urkundlich erwähnt) und stellt damit das womöglich älteste kommunale Ehrenamt in Bayern dar. Gruppen von typischerweise sieben Feldgeschworenen („Siebener“ genannt) wachen bereits seit Jahrhunderten über die Einhaltung von Grundstücksgrenzen und sorgen durch Grenzsteinsetzung für deren Sichtbarkeit.

Flechthandwerkstradition

Flechten ist die manuelle Fähigkeit, Materialien miteinander zu verbinden, um eine in sich stabile Struktur zu schaffen. Das Flechten zählt zu den ältesten handwerklichen Techniken der Menschheit und ist weltweit verbreitet. Besondere Bedeutung hat diese Handwerkstradition in den oberfränkischen Flechthandwerkszentren Lichtenfels und Michelau.

Fränkische Passionsspiele Sömmersdorf

Im unterfränkischen Sömmersdorf finden nach einer ersten Aufführung im Heiligen Jahr 1933 seit den 1950er Jahren etwa alle fünf Jahre die „Fränkischen Passionsspiele“ als Laienschauspiel mit professioneller Regie statt. Zwischen den Passionsspieljahren werden weitere Theaterstücke inszeniert. Dabei wird ein ungewöhnlich großer Teil der Bevölkerung mit einbezogen. Die Spielpraxis hat sich mittlerweile zu einer für alle Ortsbewohner offenen Kulturform entwickelt, in der über die Passionsgeschichte hinaus auch aktuelle gesellschaftliche Themen verhandelt werden.

Fürther Michaeliskirchweih
Beispiel für die Tradition der Stadtkirchweihen in Franken

Die Fürther Michaeliskirchweih zählt zu den größten Stadtkirchweihen in Bayern. Mit ihren Elementen des überkonfessionellen Kirchweihgottesdienstes, dem Kirchweihmarkt, der Wirtshauskerwa, dem Unterhaltungsbereich und dem in den Medien übertragenen Erntedankumzug steht sie mit einer großen historischen Tiefe stellvertretend für Kirchweihfeste in den Städten Frankens.

Bäuerliche Gemeinschaftswälder im Steigerwald

Im Steigerwald findet man noch heute häufig sogenannte „Stockausschlagwälder“ vor. Laubbaumarten werden im Abstand von einigen Jahrzehnten abgeschlagen – also auf den Stock gesetzt, was vor allem der Gewinnung von Brennholz dient. Die Bewirtschaftung der rund 100 bäuerlichen Gemeinschaftswälder im Steigerwald erfolgt auf Basis eines breiten Spektrums an genossenschaftlichen Rechtsformen mit Jahrhunderte alten überlieferten Praktiken der Vermessung, des Einschlagens sowie Regelungen zur Verteilung des Holzes unter den etwa 2.600 Waldrechtlern.

Georgiritt und historischer Schwerttanz zu Traunstein

Der Georgiritt in Traunstein findet jeweils am Ostermontag statt und führt zum Ettendorfer Kircherl, wo Pferde und Reiter gesegnet werden. Nach der Rückkehr der Reiterprozession findet am Stadtplatz in Traunstein in spielerischer Form ein historischer Schwerttanz statt.

Goldhaubentradition im Passauer Land

Bei der Goldhaube handelt es sich um eine nach Vorbildern des 19. Jahrhunderts gefertigte Kopfbedeckung, die von Frauen im Passauer Land als schmückendes und „krönendes“ Accessoire der Festtagskleidung getragen wird. Etwa 1.000 Trägerinnen in etwa 35 Gruppen knüpfen seit den 1970er Jahren mit großem Engagement an diese alte Tradition an.

Gregorius-Fest, Alternativ: Gregori, Gregorien-Fest

Das Gregorius-Fest ist ein Schul- und Kinderfest, das im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit weit verbreitet war, heute jedoch nur noch in einigen protestantisch geprägten Orten Oberfrankens, vereinzelt in Baden und Thüringen gefeiert wird. Zu den wesentlichen Bestandteilen gehört ein Umzug der (oft verkleideten) Schulkinder, die häufig Blumenbögen und verzierte Klassenschilder mitführen. Auf dem Festplatz folgen Vorführungen, anschließend gibt es traditionelle Spiele wie „Wurstschnappen“, „Büchsenwerfen“, „Slalom-Eierlauf“ oder Kletterbaum. Der Nachmittag des Gregorius-Festes ist häufig ein lokaler Ruhetag und hat eine hoch integrative und gemeinschaftsbildende Funktion.

Handwerkliche Fertigung von Flachglas in der traditionellen Technik des Mundblasverfahrens

Diese über mehrere Jahrhunderte alte Handwerkstechnik wird in dieser Form europaweit nur noch an drei Standorten praktiziert. Eine dieser Glashütten befindet sich in Waldsassen in der Oberpfalz. Das dort handwerklich hergestellte, mundgeblasene Flachglas findet vor allem in der Glasarchitektur, Denkmalpflege und bei Künstlern Verwendung.

Historisches Dokumentarspiel "Landshuter Hochzeit 1475"

Die Fürstenhochzeit von Herzog Georg dem Reichen von Bayern-Landshut mit der polnischen Königstochter Hedwig im Jahr 1475 wurde erstmals 1903 aufgeführt, basierend auf dem Wunsch der Bewohner Landshuts, die in der Erinnerung über Jahrhunderte präsente festliche Hochzeit wieder aufleben zu lassen. Hervorzuheben ist vor allem das Bemühen um einen hohen Grad an Authentizität und wissenschaftliche Absicherung der Darstellung.

Historisches Festspiel "Der Drachenstich" zu Furth im Wald

Für die Stadt Furth im Wald und Umgebung ist das historische Festspiel, das den Kampf eines mutigen Ritters gegen einen gefährlichen Drachen thematisiert, das zentrale Ereignis des Jahres und vereint dabei alle Alters- und Bevölkerungsgruppen (ca. 1.500 kostümierte Darstellerinnen und Darsteller).

Historisches Festspiel "Der Meistertrunk" zu Rothenburg ob der Tauber

Das Bühnenstück „Der Meistertrunk“ feierte im Jahr 1881 Premiere und erinnert in Rothenburg o.d. Tauber alljährlich an Pfingsten an die Rettung der Stadt vor dem katholischen kaiserlichen Heer im Jahr 1631. Das historische Festspiel besitzt eine starke identitätsstiftende Funktion und ist um größtmögliche Authentizität etwa bei den Kostümen bemüht.

Historisches Festspiel "Kinderzeche" zu Dinkelsbühl

Die Dinkelsbühler Kinderzeche geht auf ein Schulfest des 16. Jahrhunderts zurück, das im Zeitalter des Historismus im ausgehenden 19. Jahrhundert durch ein Festspiel ergänzt wurde, welches die sagenhafte Aufhebung der Schweden-Belagerung von Dinkelsbühl im 30-jährigen Krieg durch kindliche Friedensdiplomatie zum Thema hat.

Hofer Schlappentag

Der „Hofer Schlappentag“ ist das zentrale Stadtfest in Hof (Oberfranken) und wird am Montag nach Trinitatis (also eine Woche nach Pfingstmontag) gefeiert. Den historischen Kern bilden die Schützengesellschaften, die seit dem 15. Jahrhundert belegt sind, und um die herum sich eine vielfältige Festpraxis formiert hat. Seit dem 19. Jahrhundert sind die Handwerkszünfte fester Bestandteil des Geschehens. Der Name „Schlappentag“ (abgeleitet von den Schlappen = Holzschuhen) ist seit 1904 belegt. Als Hofer „Nationalfeiertag“ hat das Fest eine große Bedeutung für den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft.

Innerstädtischer Erwerbsgartenbau in Bamberg

Der urbane Erwerbsgartenbau in der fruchtbaren Bamberger Regnitz-Aue entstand im 14. Jahrhundert und konzentrierte sich bis ins 19. Jahrhundert auf die Produktion von Gemüsesaatgut und Süßholz. Noch heute produzieren die Gärtner nach bewährter Tradition und vermarkten ihre Waren hauptsächlich auf dem Grünen Markt, in Hofläden und Restaurants.

Kötztinger Pfingstritt

Diese jährliche Reiterprozession in das benachbarte Steinbühl lässt sich bis ins 17. Jahrhundert belegen. Heutzutage nehmen an der Veranstaltung über 900 Reiter mit ihren geschmückten Pferden teil. Der zu den größten berittenen Bittprozessionen Europas gehörende Pfingstritt hat für Bad Kötzting eine starke identitätsstiftende Bedeutung, die sich u.a. auch in der künstlerischen Ausgestaltung des Stadtbildes bemerkbar macht.

Laudenbacher Osternachtssingen

Beim Laudenbacher Osternachtsingen handelt es sich um einen Heischebrauch zur Osterzeit, der sich durch einen dreistimmigen Männergesang auszeichnet. Dabei zieht eine selbstorganisierte Gruppe von unverheirateten Männern durch den Ort und verkündet mit „Raspeln“ (Ratschen) und Gesang vor jedem Haus die Botschaften von Tod und Auferstehung Christi. Das Laudenbacher Osternachtsingen ist eine der letzten Ausprägungen eines ehemals weit verbreiteten Brauches und für die regionale Identität von großer Bedeutung.

Leipheimer Kinderfest

Das Leipheimer Kinderfest findet alljährlich am zweiten Juliwochenende von Samstag bis Montag statt und geht auf die Erntedankfeste nach der großen Hungersnot von 1815/16 zurück. Gut 400 Schülerinnen und Schüler der Grund- und Hauptschule aus Leipheim stehen im Zentrum des Festes, zu dem verschiedene Tänze, der Vortrag von Festsprüchen, Umzüge, Spiele und ein allgemeiner Festbetrieb gehören. Das für die Stadt und Region zentrale Fest vermittelt historisches Wissen und steht unter dem Gedanken der Nachhaltigkeit.

Limmersdorfer Lindenkerwa (Lindenkirchweih)

Im oberfränkischen Limmersdorf wird alljährlich zur Kirchweih in der dafür eigens als „Ballsaal“ gestalteten Krone des 1686 gepflanzten Lindenbaumes musiziert und getanzt. Nachweislich seit 1729 bildet die „Lindenkirchweih“ den unbestrittenen gesellschaftlichen Höhepunkt des dörflichen Lebens: Jugendliche „debütieren“ beim Lindentanz, viele lernen hier den Partner/die Partnerin fürs Leben kennen.

Mal-, Fass- und Vergoldetechniken des Kirchenmalers

Die traditionellen Handwerkstechniken des Kirchenmalers sind in ihrer dekorativen Oberflächengestaltung aus Kirchen, Schlössern und anderen repräsentativen Bauten in Deutschland nicht wegzudenken. Es gibt dabei drei große Bereiche: Dazu gehören die Gestaltung von Wandflächen, die Imitation von edlen und kostbaren Materialien sowie die Verarbeitung von Blattmetallen und Metallpulvern.

Marktredwitzer Krippenkultur

Die Tradition des Krippenbauens lässt sich in Marktredwitz mit seiner überwiegend evangelischen Bevölkerung seit gut 150 Jahren nachweisen. Nach tagelangen Vorarbeiten sind alljährlich zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag in etwa 50 Familien großflächige Krippenlandschaften zu sehen. Bestückt sind sie überwiegend mit Tonfiguren aus heimischen Werkstätten, die neben der Geburt Christi und den Heiligen Drei Königen eine Fülle weiterer (Alltags-) Szenen umfassen. Daneben stellt das Krippenschauen, das gegenseitige Besuchen der „Kripperer“, einen festen Bestandteil des Brauches dar.

Markttradition des "Münchner Viktualienmarktes" als Handelsbrauch

Als ständiger, vorwiegend aus festen Buden bestehender Markt für Lebensmittel in der Altstadt von München verkörpert der Viktualienmarkt in besonderer Weise die urbane Markttradition. Aufgrund der mit dem Markt unmittelbar verbundenen gesellschaftlichen Komponente handelt es sich um weitaus mehr als einen bloßen Ort des Handeltreibens.

Nürnberger Epitaphienkultur

Die reich gestalteten metallenen Relieftafeln auf den liegenden Grabsteinen der Nürnberger Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus machen diese zu einem wichtigen Erinnerungsort und geben Zeugnis über die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende Nürnberger Epitaphienkultur. Die historischen Neuschöpfungen und Neuinterpretationen stellen eine moderne Form der Trauerarbeit dar.

Oberpfälzer Zoiglkultur

Charakteristisch für die Oberpfälzer Zoiglkultur ist das gemeinschaftliche Brauen im lokalen Kommunbrauhaus sowie der von intensiver Kommunikation begleitete Ausschank und Konsum des handwerklich gebrauten Bieres bei (Laien)Wirten. Die traditionell geringen Produktionschargen bedingen einen nur temporären Ausschank in wechselnden Lokalitäten. In der Oberpfalz lassen sich Belege für das Kommunbrauwesen und die Zoiglkultur bis in das Jahr 1415 (Neuhaus) zurückverfolgen.

Osingverlosung

Der Osing ist eine gemeindefreie Hochfläche von 274 ha im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Seit mehr als 550 Jahren existiert die genossenschaftliche Praxis, den gemeinschaftlichen Besitz durch ein genau festgelegtes Losverfahren in festen Abständen neu unter den bäuerlichen Rechteinhabern zu verteilen.

Passagierfloßfahrten auf Isar und Loisach vom Oberland nach München

Flöße dienten neben dem Holz- und Warentransport über Wasserwege seit dem Mittelalter im südbayerischen Oberland (bis nach Wien und weiter) auch dem regelmäßigen Transport von Personen. Damit stehen die heutigen Vergnügungsfloßfahrten sowohl in einer Handwerkstradition als auch im Kontext historischer Formen der Mobilität. Drei Flößerfamilien (teils in der vierten Generation) ermöglichen mit diesen Fahrten neben dem Freizeitwert die Vermittlung von Wissen um die Flößerei, über das Leben an den Flüssen und die Kulturlandschaft.

Passionsspiele Oberammergau

Das weltbekannte alle zehn Jahre von der Oberammergauer Bevölkerung aufgeführte Passionsspiel thematisiert das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi. Rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung wirkt an dem Spiel mit. Hervorzuheben ist die mit rund 380 Jahren ungewöhnlich lange und trotz aller Widerstände durchaus kontinuierliche Tradition, die in Sprache, Musik, Festkultur und Handwerk ausstrahlt und als beeindruckende Gemeinschaftsleistung die Gemeinde nachhaltig prägt.

Schafhaltung in Bayern

Als traditionelle Form der Tierhaltung hat die Schäferei gerade auch in Bayern seit Jahrhunderten eine prägende Wirkung auf verschiedene Kulturlandschaften (Wacholderheiden, Trocken- und Magerrasen) mit gegenwärtigen Schwerpunkten in Franken und Schwaben. Heutzutage im „Landesverband Bayerischer Schafhalter“ mit seinen rund 1.500 Schafhaltern organisiert, lassen sich die Schäfervereinigungen auf die seit dem 15. Jahrhundert belegbaren Schäferzünfte zurückführen. Für den sozialen Zusammenhalt von zentraler Bedeutung sind vielfältige tradierte Brauch- und Festformen wie Schäferläufe, Hütewettbewerbe oder Schäfertänze.

Sebastiani Oberschwarzach

Der Festtag zu Ehren des Heiligen Sebastian (20. Januar) umfasst in Oberschwarzach (Unterfranken) eine Prozession, einen Bürgerauszug und das zentrale Stadtfest. Ausgehend von einem teils legendenhaften Pestgelübde im Jahr 1611 haben sich um die Prozession zur Oberschwarzacher Pfarrkirche St. Sebastian mehrere Rituale und Bräuche zu einem Gesamtgeschehen entwickelt, in das die Dorfgesellschaft und die lokalen Vereine fest eingebunden sind. Eine wichtige Rolle spielt dabei neben der Prozession mit Sebastiani-Fahne und Monstranz die aus den waffenpflichtigen Bürgergarden des 19. Jahrhunderts hervorgegangene „Bürgerwehr“ in Frack und Zylinder mit ihrem mittlerweile rein symbolischen militärischen Zeremoniell.

Sennfelder und Gochsheimer Friedensfest

Das Friedens- und Freudenfest in Sennfeld und Gochsheim geht auf die Wiedererlangung der Reichsfreiheit im Jahre 1649 zurück, die die beiden Dörfer im Dreißigjährigen Krieg verloren hatten. In Gochsheim wird das seit 1650 belegte Friedensfest von Anfang an zusammen mit der Kirchweih gefeiert. Ein analoges Fest ist in Sennfeld ab 1705 belegt.

Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald

Beim Klöppeln handelt es sich um eine seit dem 16. Jahrhundert belegte textile Technik zur Spitzenerzeugung, die sich als Hausindustrie etabliert hat. Insbesondere in den Gemeinden Schönsee, Stadlern und Tiefenbach – im Oberpfälzer Wald nahe der Grenze zur Tschechischen Republik gelegen – ist das Spitzenklöppeln eine seit dem 19. Jahrhundert von Generation zu Generation weitergegebene handwerkliche Praktik.

Tänzelfest Kaufbeuren

Im Zentrum des Tänzelfestes in Kaufbeuren, das alljährlich 12 Tage im Juli stattfindet, stehen etwa 2.000 Kinder, die in historisierenden Kostümen Ereignisse aus der Stadtgeschichte, von der Karolingerzeit bis ins 20. Jahrhundert nachspielen. Kostümierte Gruppen gehen in Umzügen und repräsentieren verschiedene Epochen bzw. gesellschaftliche Gruppen. Das Tänzelfest bildet mit seiner bis in das 16. Jahrhundert zurückreichenden Geschichte einen wesentlichen Bestandteil der lokalen und regionalen Identität, fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt und stärkt das historische Bewusstsein.

Tölzer Leonhardifahrt

Die Bad Tölzer Leonhardifahrt ist eine alljährlich am 6. November durchgeführte Prozession zu Pferd zu Ehren des Heiligen Leonhard, deren Tradition nachweislich bis 1772 zurückreicht. Über 80 Vierergespanne mit prächtig geschmückten Wägen nehmen an dem Zug hinauf zum Kalvarienberg teil.

Tradition der hochalpinen Alpwirtschaft im Allgäu

Im Allgäu werden in den Sommermonaten (hoch-)alpine Weideflächen in Gemeinschaftsbesitz von „Älplerinnen“ und „Älplern“ bewirtschaftet. Diese seit dem Hochmittelalter belegte Wirtschaftsform und viele damit unmittelbar zusammenhängende Ausdrucksformen haben das Kulturlandschaftsbild und auch die Gesellschaft im Laufe der Zeit entscheidend geprägt. Durch die Etablierung ökologischer Landwirtschaft gewann auch das tradierte Wissen der Alpwirtschaft neuerlich an Bedeutung.

Traditionelle Karpfenteichwirtschaft in Bayern

Die bäuerliche, sehr kleinteilig geprägte Teichwirtschaft in Bayern kann auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken. Kern der Teichwirtschaft sind der Teichbau, das Füllen der Teiche mit Wasser, die Teichpflege, das Vermehren des Fischbestandes, das Füttern und schließlich das Abfischen. Die damit verbundene Handwerkskunst und das Erfahrungswissen um komplexe Zusammenhänge von Boden, Wasser und Aufzucht stellen ein immaterielles Kulturerbe dar, das kulturlandschaftsprägende und identitätsstiftende Aspekte mit Nachhaltigkeitsdenken und kulinarischem Erbe verbindet.

Wässerwiesen in Franken

Die seit dem Mittelalter belegte, meist genossenschaftlich organisierte Wiesenbewässerung im Großraum Schwabach-Nürnberg-Erlangen-Forchheim dient der Ertragssteigerung bei Gras, Heu, Grummet und Silage auf den sandigen, wasserdurchlässigen und nährstoffarmen Böden des vergleichsweise niederschlagsarmen Mittelfränkischen Beckens. Über Grabensysteme und Wehre gelangt das Wasser aus den Fließgewässern auf die Wiesen, teilweise werden von der Strömung angetriebene Wasserschöpfräder eingesetzt. Die Wässerwiesen zeichnen sich durch eine hohe Biodiversität aus und haben wichtige Funktionen für das Stadtklima und die regionale Kulturlandschaft.

Weihnachtsschützen im Berchtesgadener Land

17 Mitgliedsvereine der „Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes e.V.“ mit über 3.300 Mitgliedern üben zu verschiedenen festlichen Anlässen den Brauch des Böllerschießens mit ihren Hand- und Schaftböllern aus. Dabei verstärkt der Widerhall im Berchtesgadener Talkessel die akustische Wirkung der verschiedenen Einzel-, Schnell- und Salvenfeuer auf besonders eindrucksvolle Weise.

Willibaldsritt Jesenwang

Der seit dem frühen 18. Jahrhundert belegte Willibaldsritt im oberbayerischen Jesenwang verbindet eine seit dem 16. Jahrhundert nachweisbare Wallfahrt mit einer Pferdesegnung. Von ähnlichen Wallfahrten hebt sich der Ritt dadurch ab, dass die zwei- bis dreihundert Reiterinnen und Reiter direkt durch die spätmittelalterliche Wallfahrtskirche St. Willibald reiten. Die Wagengespanne umfahren die Kirche. Ergänzt wird der Ritt durch ein Festgeschehen mit großer Beteiligung der lokalen Bevölkerung.

Wirken der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft
Beispiel für die Tradierung von Wissen um die Natur und das Universum

Die Nürnberger Naturhistorische Gesellschaft vereinigt einen aufklärerischen Vermittlungsimpetus mit einer breitenwirksamen, auf ehrenamtlicher Basis gründenden Vermittlungsarbeit. Neben der Tradierung historischer Sammlungen stehen eigene Schwerpunkte im Sinne einer „Citizenscience“ im Mittelpunkt, womit die Aktivitäten an der Schnittstelle von akademischer Wissenschaft und bürgerlicher Wissensgenerierung stehen.

Wunsiedler Brunnenfest

Zum Johannistag (24. Juni) schmücken die Brunnengemeinschaften in Wunsiedel alljährlich die öffentlichen Brunnen der Stadt mit Blumen und Lichtern. Am zugehörigen Wochenende findet ein Stadtfest statt, bei dem Bevölkerung und Gäste von Brunnen zu Brunnen ziehen und gemeinsam feiern.

Zwiefacher

Der Zwiefache ist eine überlieferte, typisch bayerisch-böhmische Musikgattung, die sowohl musiziert, getanzt als auch gesungen wird. Seine Besonderheit besteht im unregelmäßigen Wechsel zwischen Dreivierteltakt (Walzer) und Zweivierteltakt (Dreher).

 

 

 

Bayerisches Register Guter Praxisbeispiele der Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes

Bewahrung und Förderung der traditionellen Spezialitätenvielfalt in Oberfranken
(Verein "Genussregion Oberfranken e.V.")

In Oberfranken gibt es eine große Fülle kulinarischer Besonderheiten, mit denen häufig sorgsam gepflegte Bräuche und ihre kreative Weiterentwicklung verbunden sind. Die kulinarische Identität ist nicht nur ein Stück Geschichte, sondern allseits gepflegte kulturelle Gegenwart und Teil der Identität der Menschen. Der Verein „Genussregion Oberfranken“ und die Handwerkskammer für Oberfranken dokumentieren dieses kulinarische Erbe übergreifend.

Erforschung und Dokumentation von Flur- und Hausnamen in Bayern
("Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern e.V.")

Die tradierten Flur- und Hausnamen in Bayern sind sprachlicher Ausdruck einer Beziehung der Menschen zur Landschaft sowie zur sozialen Struktur ihrer Heimat. Der Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern kümmert sich um die Erforschung, Dokumentation und Bewahrung dieser sprachlichen Orientierungshilfen im ländlichen Raum.

Erhalt der Jurahäuser – traditionelle Baukultur im Altmühljura
(Jurahausverein)

Der Erhalt der traditionellen Baukultur von Jurahäusern im Altmühltal, von denen sich noch etwa 3.000 erhalten haben, stellt vor allem handwerklich eine große Herausforderung dar. Die historischen Jurahäuser sind geprägt durch eine Dachdeckung aus dünnen, nur an einer Kante gerade gehauenen Jurakalksteinplatten und einen schlichten kubischen Baukörper. Der 1984 gegründete Jurahausverein e.V. mit ca. 800 Mitgliedern hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch das in Eichstätt gegründete Museum „Das Jurahaus“ und eine Vielzahl von Aktivitäten wie Vorträge, Führungen, Workshops und Publikationen die Erhaltung der regionalen Baukultur zu sichern.

Familienkurs der Orff-Schulwerk Gesellschaft e.V.,
ein Praxisbeispiel für die Musik- und Tanzvermittlung nach dem Orff-Schulwerk

In Zusammenarbeit mit der Tänzerin Dorothee Günther (1896-1975) und der Musikerin Gunild Keetman (1904-1990) hat Carl Orff (1895-1982) bereits seit den 1920er Jahren eine improvisationsgeprägte, stark rhythmusgetragene Methode der elementaren Musik- und Bewegungserziehung in Schulen entwickelt. Die Grundideen haben sich vielfältig in die elementare Musik- und Tanzerziehung eingeschrieben und sind zahlreichen Generationen vertraut. Der Familienkurs vermittelt seit 1985 dieses kulturelle Erbe mit einem kreativen Zukunftsaspekt.

Förderung von Brettspielen
(Deutsches Spielearchiv Nürnberg, Spielzeugmuseum Nürnberg und Bayerisches Spiele-Archiv Haar)

Das gemeinsame Spielen mit Brettspielen stellt eine weit verbreitete und aktive kulturelle Praxis dar, in der Regeln und soziale Aushandlungen eingeübt und vermittelt werden. Seit dem 20. Jahrhundert bekommen Verbreitung und Innovation bei analogen Brettspielen eine besondere Bedeutung in Deutschland. Das Deutsche Spielearchiv Nürnberg, das Spielzeugmuseum Nürnberg und das Bayerische Spiele-Archiv Haar bemühen sich in herausragender Weise um die Sammlung und Erforschung, aber auch die Vermittlung von Brettspielen und dem dazugehörenden Wissen. Zudem wirken die Einrichtungen als Vermittler und Ideengeber für Brettspieler, die sich in einem breiten Spektrum an Organisationsformen, z. B. in Spieleclubs und Spieleevents organisieren.

Kuhländler Tänze – Vermittlung historischer Tanzkultur und transnationale Zusammenarbeit

Bei den Kuhländler Tänzen handelt es sich um eine Reihe von Tänzen und den zugehörigen Liedern, die im frühen 20. Jahrhundert im historischen „Kuhländle“ (nordöstliches Mähren) aufgeführt und gesammelt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich Vertriebene in Westdeutschland und einigen weiteren europäischen Ländern zusammen, um dieses kulturelle Erbe zu pflegen und die Kenntnis um Figuren, Musik und Texte weiterzugeben. Seit der Jahrtausendwende gibt es einen regen Austausch zu tschechischen Tanzgruppen in Mähren, die sich ebenfalls um diese historischen Tanzformen kümmern. Diese transnationale Zusammenarbeit ist ein herausragendes Zeugnis für das Bemühen um eine gemeinsame Pflege von Kulturerbe in Europa.